Wissenschaftliches Schreiben/Stil

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Sowohl ein angemessener wissenschaftlicher Stil als auch gutes Englisch sind für ein Papier sehr wichtig.

  • Definition von Begriffen: Begriffe, die zentral für den eigenen Forschungsansatz sind, müssen vor ihrer Verwendung definiert werden, wenn man nicht sicher sein kann ob sie jedem Informatiker/Gutachter geläufig sind. Da die Autoren von Konferenzpapieren "ihre" Begriffe alltäglich verwenden, fällt es ihnen oft schwer ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass bei Informatikern anderer Fachrichtungen diese Begriffen anders belegt sein können. Typische Beispiele sind die Begriffe "Performance" und "Komponente". Auch wenn in unserer Gruppe der Begriff "Performance" meist mit "Antwortzeit" gleichgesetzt wird, ist dies nicht allgemeingültig. Andere Forscher verstehen unter "Performance" nur "Ressourcenauslastung" oder "Skalierbarkeit". Wieder andere reden von der "Performance" von Aktien oder erachten ein System als "performant" wenn es genügend korrekte Antworten liefert. Der Begriff "Komponente" wiederum ist wahrscheinlich einer der überladensten Begriffe in der Software-Technik. In unserem Kontext sollte daher immer klar gemacht werden, dass wir der Definition von Szyperski folgen und z.B. eine J2EE-SessionBean als Komponente ansehen.
  • Bilder anstatt Text: Abbildungen erhöhen den Verständnisgrad von komplexen Sachverhalten oft entscheidend. Bei langen Textpassagen, sollte man daher überlegen, ob man diesen nicht anschaulich in ein Diagramm fassen kann.
  • Konkrete Formulierungen anstatt abstrakter: Oft sind abstrakte Formulierungen wenig hilfreich für den Leser. Wo möglich sollten immer konkrete Beschreibungen verwenden werden. Beispiele:
    • Nicht: "Our prediction is able to increase the performance of software systems."
    • Sondern: "With our model-based performance prediction method we are able to increase the response times of component-based software architectures during runtime by 10%."
  • Beispiele: Die Konzepte sollten immer durch Beispiele verdeutlicht werden. Für Metamodelle sollte immer auch eine Beispiel-Instanz gezeigt werden. Metamodelle ohne Beispiel sind schlecht nachvollziehbar.
  • Ich/Wir/Man/Passiv: Die Frage in welcher Person ein Konferenzpapier geschrieben werden sollte, ist diskutierbar. Die "Passiv"-Form verschleiert den Handelnden, ist im Englischen eher unbeliebt und sollte in wissenschaftlichen Arbeiten vermieden werden. Die Verwendung von "man" verleitet zu sehr zur Pauschalisierung. Die "Ich"-Form passt nicht zu Konferenzpapieren, die von mehreren Autoren geschrieben wurden. Bleibt die "Wir"-Form, um die Einbettung des Autors in eine Gruppe zu betonen. Aber Achtung: das "wir" sollte im Englischen nur benutzt werden, wenn der Autor tatsächlich das Subjekt des Satzes ist. Oft wird es von faulen Autoren verwendet, die sich nicht über das richtige Subjekt klar sind. Beispiele:
    • Nicht: "In this paper, we show blabla", sondern "This paper shows blabla".
    • Nicht: "We use Petri-Nets to model bla", sondern "Our approach uses Petri-Nets to bla".
    • Richtig: "We have implemented tools to blabla". (Betont, dass die Autoren das tatsächlich eigenhändig gemacht haben)
  • Abgeschlossenheit: Papiere sollten "self-contained" sein, d.h. alle wichtigen Informationen müssen aus dem Artikel gezogen werden, ohne dass andere Artikel hinzugezogen werden müssen.
  • Keine starken Aussagen/Superlative: Autoren von Konferenzpapieren sollten vorsichtig mit zu stark formulierten Aussagen bzw. überhöhten Formulierungen sein. Diese werden selten positiv von Gutachter aufgenommen, sondern erreichen meist das Gegenteil, denn sie provozieren Gutachter nach Argumenten gegen diese Aussagen zu suchen. Negativbeispiele:
    • "This approach is very challenging...": Warum muss das herausgestellt werden? Wenn der Ansatz nicht herausfordernd wäre, würde man sich doch nicht damit beschäftigen.
    • "Model-based predictions show the best results...": Nur weil man selbst keine Erfahrung mit messbasierten Verfahren hat, sollte man nicht denken, dass der eigenen Forschungsansatz in allen Fällen der beste ist.
    • "Our approach increases predicitions by a wide margin": Diese Aussage gilt nur unter den dem Ansatz unterliegenden Annahmen (was oft eine ganze Menge sind) und ist nicht so allgemeingültig wie sie formuliert wurde.
  • Keine langen Sätze: Während im Deutschen oft in langen Sätzen formuliert wird, sind im Englischen eher kürzere Sätze üblich. Gerade in wissenschaftlichen Texten sind kürzere Sätze bei der Erklärung komplexer Sachverhalte oft sehr hilfreich. Bei Sätzen die über mehr als zwei Zeilen gehen, sollte man sich daher überlegen, ob eine Zerlegung die erhoffte Aussage nicht besser vermittelt.
  • Keine schwammigen Aussagen, die nicht falsifizierbar sind: Dieser Hinweis steht in einem gewissen Kontrast zur obigen Hinweis, Aussagen eher abszuschwächen, als zu stark zu formulieren. Man sollte bei der Abschwächung auf jedem Fall beachten, dass eine Aussage über die reale Welt falsifizierbar bleibt. (Aussagen über mathematische Sachverhalte müssen bewiesen sein oder prinzipiell beweisbar sein, daher gilt hier die Anforderung der prinzipiellen Falsifikation nicht.)
    • "The approach may be helpful for task sounso." Das kann keiner nachprüfen. Aber "The approach improves productivity of task sounso by 13 per cent" ist nachprüfbar.
  • Keine Füllwörter: Wörter wie "clearly", "obviously", "actually" usw. streichen! Wenn etwas klar oder offensichtlich ist, dann muss man keinen Text darauf verschwenden.
  • Verbindender Text zwischen Abschnitten: Wenn zwei Abschnitte abrupt ohne Überleitung aufeinander folgen, ist dies für den Leser unangenehm. Daher sollte man nach Möglichkeit zwischen zwei unterschiedlichen Abschnitten etwas "Glue-Text" spendieren. Weiterhin sollten lange Abschnitte (mehrere Seiten) am Anfang ein paar Sätze mit Überblick über den gesamten Abschnitt enthalten.
  • 7 Sünden unerfahrener Schreiber: Auslassung, Inkonsistenz, Unangemessenheit, Mehrdeutigkeit, unkontrollierte Redundanz, Vorwärtsreferenzen, Reue (Quelle)
  • Precision: Carefully phrase your sentences and check the meaning of words and the flow of argumentation from each sentence to the next.
  • Literatur zu englischem Stil
    • Hilfreiche Hinweise für amerikanischen Stil, sollte jeder mal gelesen haben oder besitzen: "Elements of Style" by Strunk and White.
    • For British English, "A Dictionary of Modern English Usage" by Fowler or later revised versions could be of interest.
    • Maybe "Practical English Usage" by Swan is interesting, as it targets foreign speakers.
    • Collection of further advice on style in this wiki: Wissenschaftliches_Schreiben/English#Style and in some of the references listed at Wissenschaftliches_Schreiben#Literatur & Links.


Hilfreiche Hinweise

Wissenschaftliches Schreiben