Wissenschaftliches Schreiben/Stil

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Hinweise zum Schreibstil

Allgemein

  • Sie sollten so einfach wie möglich schreiben.
  • Wissenschaftlich Schreiben heißt präzise und nachvollziehbar Schreiben.
  • Eine Vermeidung der Überprüfbarkeit von Aussagen durch Unverständlichkeit oder Abschwächung von Aussagen ist nicht wissenschaftlich.

Definition von Begriffen

  • Begriffe, die zentral für den eigenen Forschungsansatz sind, müssen vor ihrer Verwendung definiert werden, wenn man nicht sicher sein kann, ob sie jedem/-r Informatiker/-in/Gutachter-/in geläufig sind.
  • Definition sind wie Makros, die einen langen Text durch einen Begriff ersetzbar machen. Dadurch unterstützen sie auch das Denken über Sachverhalte.
  • Definitionen dürfen jedoch nicht den größten Teil einer Ausarbeitung ausmachen.
  • In wissenschaftlichen Texten werden bestimmte Wortwiederholungen geduldet und sind sogar erwünscht.
    • Angenommen, man möchte die Begriffe "Komponente", "Modell" und "Codeblock" synonym in einem Text verwenden. Dann fragt sich der Leser, ob das unterschiedliche Konzepte sind, da ja unterschiedliche Begriffe ausgewählt wurden.
    • Dies gilt nicht für Nicht-Fachwörter. Hier sind Wortwiederholungen gewohntermaßen stilistisch schwach.

Englische Begriffe in deutschen Texten

  • Fremdwörter sollten nur dann verwenden, wenn sie prägnanter als ein deutsches Wort einen Sachverhalt beschreiben.
    • Beispiel: Das Wort "prägnant" bedeutete "kurz und genau". Deswegen wurde es im obigen Satz anstelle der deutschen Begriffe verwendet.
    • Fremdwörter sollen nicht zur Selbstdarstellung eingesetzt werden (wie auch sonst kein anderes Stilmittel).

Bilder anstatt Text

  • Abbildungen erhöhen den Verständnisgrad von komplexen Sachverhalten.
  • Bei langen Textpassagen sollte man überlegen ob man den Saachverhalt nicht anschaulich in ein Diagramm fassen kann.

Konkrete Formulierungen anstatt abstrakter

Abstrakte Formulierungen sind weniger hilfreich für den Leser als konkrete. Beispiel:

  • Nicht: "Our prediction is able to increase the performance of software systems."
  • Sondern: "With our model-based performance prediction method we are able to increase the response times of component-based software architectures during runtime by 10%."

Beispiele

  • Konzepte sollten immer durch Beispiele verdeutlicht werden.
  • Z.B. für Metamodelle sollte immer auch eine Beispiel-Instanz gezeigt werden. Metamodelle ohne Beispiel sind schlecht nachvollziehbar.

Ich/Wir/Man/Passiv

Die Frage in welcher Person eine wissenschaftliche Veröffentlichung geschrieben werden sollte, ist diskutierbar.

  • Die Passiv-Form verschleiert den Handelnden, ist im Englischen eher unbeliebt und sollte in wissenschaftlichen Arbeiten vermieden werden.
  • Die Verwendung von "man" verleitet zu sehr zur Pauschalisierung.
  • Die "Ich"-Form passt nicht zu Beiträgen, die von mehreren Autoren geschrieben wurden.
  • Mit der "Wir"-Form wird die Einbettung des Autors in eine Gruppe betont.

Abgeschlossenheit

Veröffentlichungen sollten "self-contained" sein:

  • Alle wichtigen Informationen müssen aus dem Artikel verständlich sein, ohne dass andere Artikel hinzugezogen werden müssen.
  • Es können natürlich Referenzen zu Quellen eingefügt werden, in denen bei Interesse mehr Detail nachgelesen werden kann
  • Der Leser sollte jedoch nicht dazu gezwungen sein, woanders nachlesen zu müssen, um die Arbeit verstehen zu können.

Keine starken Aussagen/Superlative

  • Man sollte vorsichtig mit zu stark formulierten bzw. überhöhten Aussagen sein.
  • Übertreibungen provozieren Gutachter, nach Argumenten gegen diese Aussagen zu suchen.

Negativbeispiele:

  • "This approach is very challenging …"
    • Warum muss das herausgestellt werden?
    • Wenn der Ansatz nicht herausfordernd wäre, würde man sich doch nicht damit beschäftigen.
  • "Model-based predictions show the best results …"
    • Dafür müsste man zeigen, dass der eigene Forschungsansatz in allen Fällen der beste ist.
  • "Our approach increases predicitions by a wide margin":
    • Diese Aussage gilt nur unter den dem Ansatz unterliegenden Annahmen.
    • Sie ist nicht so allgemeingültig, wie sie formuliert wurde.

Keine schwammigen Aussagen, die nicht falsifizierbar sind

  • Übertreibungen (s.o.) sind stilistisch schlecht, Abschwächungen jedoch möglicherweise auch:
  • Man sollte bei der Abschwächung beachten, dass die Aussage falsifizierbar bleibt.
    • Aussagen über mathematische Sachverhalte müssen bewiesen sein oder prinzipiell beweisbar sein
    • Daher gilt hier die Anforderung der prinzipiellen Falsifikation nicht.

Negativbeispiel:

  • "The approach may be helpful for task X."
    • Diese Aussage kann nicht falsifiziert werden.
    • "The approach improves productivity of task X by 13 %" ist nachprüfbar.

Keine langen Sätze

  • Während im Deutschen oft in langen Sätzen formuliert wird, sind im Englischen eher kürzere Sätze üblich.
  • Nach Möglichkeit sollte ein Satz nur eine Aussage enthalten.
  • Kausale Zusammenhänge sollte man durch entsprechende Wörter (weil, durch, obwohl usw.) deutlich machen.
  • Bei Sätzen, die über mehr als zwei Zeilen gehen, sollte man sich daher überlegen, ob eine Zerlegung die erhoffte Aussage nicht besser vermittelt.

Keine Füllwörter

  • Wörter wie "clearly", "obviously", "actually" usw. können gestrichen werden.
  • Wenn etwas klar oder offensichtlich ist, muss man es nicht extra erwähnen.

Verbindender Text zwischen Abschnitten

  • Wenn zwei Abschnitte abrupt ohne Überleitung aufeinander folgen, ist dies für den Leser unangenehm.
  • Daher sollte man nach Möglichkeit zwischen zwei unterschiedlichen Abschnitten etwas "Klebe-Text" spendieren.
  • Weiterhin sollten lange Abschnitte (mehrere Seiten) am Anfang ein paar Sätze mit einem Überblick über den gesamten Abschnitt enthalten.

7 Sünden unerfahrener Schreiber

von http://www.cse.unl.edu/%7Egrother/nsefs/03/pubstrats.pdf :

  1. Auslassung
  2. Inkonsistenz
  3. Unangemessenheit
  4. Mehrdeutigkeit
  5. unkontrollierte Redundanz
  6. Vorwärtsreferenzen
  7. Reue

Hilfreiche Hinweise

Wissenschaftliches Schreiben